Douglas Diegues – Hands in the matsch. Gedichte aus dem Wilden Portunjoll

Douglas Diegues
Hands in the matsch. Gedichte aus dem Wilden Portunjoll.
Übersetzt von Odile Kennel
Grafiken: Petrus Akkordeon
ISBN 978-3-949850-03-5
54 Seiten, Broschur
8,00 €
hochroth Berlin 2022

 

Wildes portunjoll

Das wilde portunjoll ist an der grenze zwischen Brasilien und Uruguay der sprech von den kleinen leuten, die unglaublich aber wahr überlebn dank sturkopf, brise, liebe zum träumweiter, maniok, wind & rindfleisch. Es ist der sprech von den yiyis, die nachts ihrn körper an der grenze verkaufn. Das wilde portunjoll treibt wie eine butterblume aus dem kuhmist. Das wilde portunjoll ist ein voll komischer sprech, dem grenzn egal sind, ein ländlicher, hässlicher, schöner, voll krasser sprech. Doch seine wilde schönheit lässt niemanden kalt. Es ist der sprech von meiner xe sy und von den müttern meiner grenzfreunde als ich noch klein war. Es ist der sprech von meinm opa und oma, die immer wildes portunjoll mit mir gesprochn haben. Die dichter der primitiven avantgarde, will heißn, die vorfahrn von den heutigen dichtern der primitiven avantgarde, brauchtn kein poetisches sprechn, weil ihr sprechn eh poetisch war. Genau wie die menschen an der grenze zwischen Brasilien und Paraguay, die immer poetisch sprechn, weil sie gar kein andres sprechn habn. Das wilde portunjoll ist wie eine musik, die anders ist, sie klingt eher wie lärm und ist gemacht aus unerhörten reimen, liebe, wasser, blut, bäumen, steinen, sonne, wind, feuer, sperma.

 

Douglas Diegues wurde 1965 in Rio de Janeiro als Sohn einer spanisch-guaranísprachigen Mutter und eines portugiesischsprachigen Vaters geboren und wuchs im Süden Brasiliens an der Grenze zu Paraguay auf. Er schrieb zunächst auf Portugiesisch, sagt aber von sich selbst, er habe immer das Gefühl gehabt, es sei nicht er, der da schreibe. Sein Gedichtband Dá gusto andar desnudo por estas selvas: sonetos salvajes (2002) gilt als der erste Gedichtband in Portunjoll. Er gründete 2007 den Verlag Yiyi Yambo, bloggt unter portunhol selvagem und ist Mitbegründer der Literaturzeitschrift Ventilador Literário.

Odile Kennel lebt als Lyrikerin, Romanautorin und Lyrikübersetzerin in Berlin. Sie schreibt auf Deutsch und Französisch und lädt gerne weitere Sprachen in ihre Texte ein. Zuletzt veröffentlichte sie den Essai Lust (2021) und den Gedichtband Hors Texte (2019), beide beim Verlagshaus Berlin. Für hochroth übersetzte sie Margarida Vale de Gato, Raquel Nobre Guerra, Luiza Neto Jorge sowie Érica Zíngano. Gelegentlich ist sie als Bloggerin unterwegs. Im virtuellen Universum ist sie unter @solidenelke zu finden.

Die Übersetzungen der Gedichte von Douglas Diegues wurden ermöglicht durch das mobile lateinamerikanische Poesiefestival latinale, das TOLEDO-Programm,
das Kollektiv sprachwechsel und durch den Enthusiasmus der Übersetzerin.

Ein Essai von Odile Kennel zu Wildem Portunjoll findet sich unter cities of translations.

 

Douglas Diegues – hands in the matsch

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Douglas Diegues – hands in the matsch. Gedichte aus dem wilden Portunjoll. Übersetzt von Odile Kennel