Erika Martínez: chocar con algo, zusammenprallen

Erika Martínez: chocar con algo, zusammenprallen
Aus dem Spanischen von José F. A. Oliver übersetzt. Gefördert von der AC/E
Graphik: Alfonso Suárez-Kurz
Satz und Design: luagris.net
48 Seiten, 19 x 13 cm, Broschur, 8,00€
hochroth Heidelberg 2022
ISBN: 978-3-949850-02-8
©Alle Rechte liegen bei den Urhebern

In ihrem Gedichtband »Chocar con algo, zusammenprallen« hinterfragt die spanische Lyrikerin Erika Martínez eine Reihe von Stigmata, die mit der weiblichen Identität verbunden sind. Sie bietet einen intimen und sehr prägnanten Blick auf das tägliche Leben, den Beruf und die Rolle der Frau in einer kapitalistischen Gesellschaft. Ob Frau, Mann, Bürger, Schriftsteller oder Nullipara, alle diese sozialen Wesen reisen durch die Poli und ihre Irrungen und Wirrungen. Und auf dieser (mentalen) Reise prallen sie immer wieder mit etwas (Klischees, Vorstellungen, Rollen oder Situationen) zusammen. Sie stoßen mit etwas zusammen, das ebenso nah wie offensichtlich ist.
In diesen Kollisionen dekliniert Erika Martínez das historische Gedächtnis und die Notwendigkeit, Verantwortung dafür zu übernehmen. Die Kriegsvergangenheit – die spanische / europäische und ihre globalen Auswirkungen – weigert sich, nur eine Kriegsvergangenheit zu sein.

 

Leseprobe:

HOMBRE ADENTRO

La tarde bosteza y se desmaquilla
sobre la superficie del pantano.
Justo antes de rendirse, el cielo
arriesga un brillo de celofán
y el aire es una madre de puntillas
que se retira del dormitorio.

¿Por qué vuelven las cosas que se fueron
desordenándolo todo,
igual que una pelota de colores
salida de la nada?

Acabo de romper con una piedra
la pantalla narcótica del agua
y he recordado a aquel demente
que abrió de un golpe su televisión
tratando de sacar al hombrecito
que gritaba allí dentro. 

 

MANNEINWÄRTS

Über einer Sumpflandschaft erschlafft
der frühe Abend und schminkt sich ab.
Kurz, bevor er fällt, wagt sich der Himmel
noch einmal vor, glänzt wie Zellophan
und die Luft ist eine Mutter, die auf Zehenspitzen
aus dem Schlafzimmer schleicht.

Weshalb kehren die verwehten Dinge zurück
und werfen alles durcheinander
wie ein bunter Ball,
der aus dem Nichts auftaucht?

Soeben habe ich mit einem Stein
das einschläfernde Standbild des Wassers zertrümmert
und dachte dabei an jenen wisslosen Mann,
der mit seiner Faust ein Loch in den Fernseher schlug
und versuchte, den kleinen Mann zu retten,
der in ihm geschrien hatte.

 

Die Autorin: Erika Martínez, geb. 1979 in Jaén, Spanien, schreibt Lyrik und Aphorismen. Ihr erster Gedichtband, Color carne (Pre-Textos, 2009), wurde mit dem Premio de Poesía Joven Radio Nacional de España ausgezeichnet. Sein zweiter Gedichtband, El falso techo (Pre-Textos, 2013) wurde auf Italienisch übersetzt. Sie hat einer Sammlung von Aphorismen veröffentlicht: Lenguaraz (Pre-Textos, 2011). Veröffentlichung ihrer Gedichte in Zeitschriften wie Poetry, Chicago Review oder Jahrbuch der Lyrik 2021. Zuletzt Chocar con algo (Pre-Textos, 2017) und La bestia ideal (Pre-textos, 2022). Derzeit lehrt sie lateinamerikanische Literatur an der Universität Granada.

Der Übersetzer: José F. A. Oliver geb. 1961 in Hausach, Schwarzwald. Andalusischer Herkunft. Lyriker, Essayist, Übersetzer. Ausgezeichnet u. a. mit dem Stipendium der Kulturakademie Tarabya in Istanbul (2013), Basler Lyrikpreis (2015) und dem Heinrich-Böll-Preis 2021. Zahlreiche Publikationen, u. a.: Mein andalusisches Schwarzwalddorf. Essays (Suhrkamp2007), Gastling. Neuauflage (Das Arabische Buch, 1993/2015), Heimatt (Hans Schiler, 2015), 21 Gedichte aus Istanbul 4 Briefe & 10 Fotow:orte (Matthes & Seitz, 2016).Jüngste Publikation: wundgewähr, Gedichte (Matthes & Seitz, 2018).

 

 

Erika Martínez: chocar con algo, zusammenprallen

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