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Jesús Montoya – Trasandínica

 

Aus dem venezolanischen Spanisch von Léonce W. Lupette
Foto: Jesús Montoya
Satz und Layout: fagott ffm
44 Seiten, 19 x 13 cm, Broschur, 8,00 €
hochroth Heidelberg 2021
ISBN: 978-3-903182-90-5

 

Die eigenständige Stimme von Jesús Montoya schreibt sich in die hispano-amerikanische Tradition narrativ-lyrischer Poesie ein und eröffnet dabei den individuellen Erfahrungs- und Erinnerungsraum einer Kindheit und Jugend in einer venezolanischen Stadt nahe der kolumbianischen Grenze. Zur besonderen Stärke seiner Gedichte zählt die feinsinnige Kartierung dieses Erfahrungsraums in Form der Wiederkehr bestimmter Motive, Namen, biographischer Ereignisse des lyrischen Ichs, sowie beispielsweise die Gefängnisbesuche beim inhaftierten Vater, die abenteuerlichen Reisen durch verschiedene Teile des Landes oder das unheimliche Eigenleben mancher Wohnhäuser aus seiner Vergangenheit voller Aufreibung und Schmerzen.

 

Leseprobe

[…]

Mein Vater und ich fahren durch das Rauschen des Winds,
langsam und ohne Ziel.
Seine grünen Augen blitzen
aus dem gesprungenen Rückspiegel
zwei Narben gleich, die sich vor mir öffnen.
Stück für Stück pressen, versunken in Schweigen,
unsere Erinnerungen sich auf den Asphalt.
Und auf einmal, seine Stimme erhebt sich, erzählt er mir von der Zukunft.
Und ich denke, mein Vater ist ein Überlebender,
die Kindheit liegt in weiter Ferne,
wie so vieles andere auch.
Und in dieser Momentaufnahme,
die allein eine Reise hervorbringen kann,
wo die Zukunft Vergangenheit ist und die Vergangenheit Vergangenheit
und die Gegenwart Unschuld,
da kommt die Stadt langsam zurück, um sich dahinzuschleppen
wie ein dunkler Körper ohne uns.
[…]

 

[…]

Mi padre y yo vamos en el sonido del viento,
lentamente y sin destino.
Sus ojos verdes resplandecen
en el cristal roto del retrovisor
como dos cicatrices que se abren ante mí.
Uno a uno, hundidos en silencio,
nuestros recuerdos presionan el asfalto.
Y de pronto, su voz alzándose, me cuenta del futuro.
Y pienso que mi padre es un sobreviviente,
que la infancia ha de estar lejos,
como otras tantas cosas.
Y en esa imagen momentánea
que solo es capaz de tejer un viaje,
donde el futuro es pasado y el pasado es pasado
y el presente inocencia,
la ciudad comienza a regresar para arrastrarse
semejante a un oscuro cuerpo sin nosotros.
[…]

 

Der Autor: Jesús Montoya (Mérida, Venezuela, 1993). Studium der Hispano-amerikanischen und Venezolanischen Literatur an der Universidad de Los Andes. Mitherausgeber der traditionsreichen Lyrikzeitschrift »Poesía de la Universidad de Carabobo, Venezuela«. Lebt in Brasilien. Seine Lyrikbände Las noches de mis años (Monte Ávila, 2016), Hay un sitio detrás de los incendios (Valparaíso, 2017) und Rua São Paulo (Fundavag, 2019) aus denen sich die vorliegende Auswahl speist, wurden mehrfach ausgezeichnet.

Der Übersetzer: Léonce W. Lupette (Göttingen 1986). Schriftsteller und Übersetzer. Preis für Internationale Poesie der Stadt Münster 2015 für Übersetzungen von Charles Bernstein. Lebt in Argentinien. Übersetzte u. a. Esteban Echeverría: Der Schlachthof (2010), Jorge Kanese: Die Freuden der Hölle (2014), Friedrich Hölderlin: Poesía última (mit M. G. Burello, 2016), Leonard Cohen: Die Flamme (2018). Zuletzt: Äkste & Änkste denxte (Fadel & Fadel, 2017); Locro (Reina Pagana, 2020).

 

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Jesús Montoya – Trasandínica

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