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Richard Scott – Le jardin secret

Aus dem Englischen von Léonce W. Lupette, Matthias Kniep und Nadja Küchenmeister
Grafik: Elspeth Henderson, Razor Clams, 2021
© der englischen Texte bei Faber & Faber Limited
hochroth Berlin 2021
ISBN: 978-3-903182-69-1
46 Seiten
8,00 €

 

„Le jardin secret“ ist eine Auswahl aus dem gefeierten Debütband „Soho“ (Faber & Faber, 2018) des britischen Lyrikers Richard Scott. Seine Gedichte spielen vor der Kulisse des Londoner Schwulenviertels Soho und handeln von einer Kindheit in einer homophoben Gesellschaft, von verstörenden ersten sexuellen Erlebnissen, von Scham und Gewalt, aber auch von der Liebe und der heilenden Kraft der Imagination. Bewusst stellt sich Scott in die Tradition der queeren Dichtung, etwa im programmatischen Gedicht „Stadtbücherei, 1998“, wo das lyrische Ich den „queeren Subtext“ eines heteronormativen literarischen Kanons hervorhebt: „ich / schlag erneut das Goldene Buch der Dichtung auf und schreibe SCHWANZ / an den Rand.“

 

Richard Scott wurde 1981 in London geboren. Sein Pamphlet »Wound« (Rialto) gewann den Michael Marks Poetry Award 2016 und sein Gedicht »crocodile« die Poetry London Competition 2017. Soho (Faber & Faber) ist sein erstes Buch und wurde für den T. S. Eliot Prize, einen Costa Book Award und einen Forward Poetry Prize nominiert.

Léonce W. Lupette, geboren 1986 in Göttingen, lebt als Schriftsteller und Übersetzer in Berazategui.

Matthias Kniep, geboren 1971 in Itzehoe, lebt als Veranstalter und Übersetzer in Berlin. Herausgeber des Jahrbuchs der Lyrik.

Nadja Küchenmeister, geboren 1981 in Berlin, lebt dort als freie Schriftstellerin. Zuletzt erschienen: Im Glasberg. Gedichte, Schöffling & Co. 2020.

 

TEXTPROBE

Stadtbücherei, 1998

In der Bücherei, in der es nicht ein schwules Gedicht gibt,
nicht mal Kavafis, der seine grappatrunkenen Jungs beäugt – ich
schlag erneut das Goldene Buch der Dichtung auf und schreibe             SCHWANZ

an den Rand. Tinte beschmiert meine Finger. Wörter werden
Diagramme, gebären Bärte und Schenkel, Schultern, flotte Vierer.
Ein Kuli-Boy reibt seinen Ständer gegen den Körper eines

Sonetts. Ein anderer streckt sein Loch neben Larkin. Ein blauer
Seemann spritzt über Canto XII. Dann seh ich ihn – gebettet wie ein
Pilz in Moos, zungenwahr und preisend – ein queerer Subtext

und mein Stift wird ein indigoblauer Marker, der alles hervorhebt, was
der Herausgeber nicht konnte, nicht wollte – die lila Stunde dieser
Männer, tief verborgen in Versen. Ich unterstreiche jene, denen die Natur,

und nicht die Druckerei, ein Ding gab; belecke jede zarte
Strophe mit Himmelblau, die kommenden Leser zu erhellen …

Übersetzt von Léonce W. Lupette

 

Richard Scott - Le jardin secret

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Richard Scott – Le jardin secret