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Irrenhaus

Friedrich Wilhelm Wagner
Irrenhaus. Ein Cyclus von 20 Gedichten
(erstmals erschienen 1920)
22 Seiten, Broschur – 8 €
hochroth Verlag
Berlin 2011

FRIEDRICH WILHELM WAGNER, geboren am 16. August 1892 in Hennweiler/ Hunsrück. Zeitweise morphiumsüchtig und in eine Irrenanstalt eingewiesen. Mitherausgeber der literarischen Zeitschrift “Der Zweemann”. Er starb am 22. Juni 1931 in Schönberg/ Schwarzwald.

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Textproben:

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I

Zwei Weiber, ich, zwei Sanitäter.
Man fährt uns fort wie Missetäter.
Im grünen Wagen.
Ein altes Weib,
Das tobt, ist auf dem Brett geschnallt.
Das andre bäumt den jungen Leib
Und krallt
Sich fest. Man muss es tragen.
Aber im Wagen
Sitzt es still und raucht Zigaretten.
Es erzählt mit koketten
Gesten den Sanitätern,
Es habe ein Kind
Mit sieben Vätern.
Das sei blind — —
— — — —
Wir fahren in das Irrenhaus.
Wir fahren aus der Welt hinaus.

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II

Wir kriechen krumm
Im Kreise stumm
Mit klebenden kleinen
Schritten um
Uns herum —
Dann und wann
Fängt einer an
Zu weinen —
Die Wärter rauchen
Dicke Zigarren.
Breit. Sie brauchen
Nicht zu fragen.
Wir sind Narren.
Wir tragen
Kleider, die nicht passen.
Wir müssen mit uns machen lassen.

Friedrich Wilhelm Wagner - Irrenhaus

Artikelnummer: 1331
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