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Érica Zíngano – Ich weiß nicht warum

Érica Zíngano
Ich weiß nicht warum
Zeichnungen und Texte für Unica Zürn
Aus dem Portugiesischen von Odile Kennel
38 Seiten, Broschur – 8 €
hochroth Verlag
Berlin 2013

ISBN 978-3-902871-39-8

Dieser Band ist der Versuch einer Annäherung an die Lyrikerin und Zeichnerin Unica Zürn (1916 – 1970), die dem französischen Surrealismus nahe stand und besonders für ihre Anagrammgedichte bekannt ist. „du konntest meine sprache nicht. buchstabiere bitte: s-p-r-a-c-h-e“, wendet sich das lyrische Ich an Unica Zürn. In ihren Bild-Text-Kollagen und handgeschriebenen Anagrammen buchstabiert Érica Zíngano portugiesische und deutsche Wörter – das Ergebnis ist verspielt, humorvoll, beunruhigend. Eine dritte Stimme im Zusammenspiel von Bild und Originaltext sind Odile Kennels freie Übersetzungen.
Das Unfertige und die Variation sind zentral für die Poetik des Zyklus’, deshalb liegt das Buch in zwei leicht unterschiedlichen Fassungen vor.

Érica Zíngano (Fortaleza, Brasilien, 1980) lebt in Lissabon und arbeitet an einer literaturwissenschaftlichen Promotion über die portugiesische Schriftstellerin María Gabriela Llansol (1931-2008). In ihrer Lyrik, in grafischen und filmischen Werken, Installationen und Fotografien setzt sich die Multimedia-Künstlerin mit dem Verhältnis von Sprache und Raum auseinander. Ihre Texte sind in diversen Zeitschriften und Anthologien erschienen, darunter in deutscher Übersetzung in VERSschmuggel/transVERSal 2013. 2012 hat sie in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Alexandra Ramires in zehn Exemplaren den Band „Pé-de-Cabra ou Rabo de Saia – Eis uma Dúvida Cruel!” publiziert.
„Ich weiß nicht warum” ist der Lyrikerin und Zeichnerin Unica Zürn (1919 – 1970) gewidmet.

Odile Kennel (Bühl/Baden, 1967) übersetzte Dichter wie Arnaldo Antunes, Carlitos Azevedo, Jacques Darras, D.G. Helder, Adília Lopes und Nicole Brossard für Zeitschriften, Poesiefestivals und Lyrikseiten, sowie den luxemburgischen Dichter Jean Portante („Die Arbeit des Schattens“, Editions Phi 2005), die kubanische Dichterin Damaris Calderón („Sprache und Scharfrichter“, parasitenpresse 2012) und die brasilianischen Dichter*innen Angélica Freitas („Rilke Shake“, Luxbooks 2010) und Ricardo Domeneck („Körper: ein Handbuch“, Verlagshaus J. Frank 2013). 2000 wurde „Wimpernflug – eine atemlose Erzählung” publiziert (Edition Ebersbach). 2011 erschien bei dtv premium ihr Roman „Was Ida sagt“ und 2013 der Gedichtband „oder wie heißt diese interplanetare Luft”.

Textprobe:

eine grüne zahnbürste
wieder für ihn.

wind rühre an, aber zürne nie dingen.
werde zehn sterne, wende sie heiter.
wenn ferne riesen ragen, reise ins ried.
ein geist trieb zwinger ins rasen. wehe!
er aber weidet nah den herden. zünftige
greise greinen. sieben bienen sind rüde
für beide züge. ein zeisig wird’s zeigen.
wüste sinne sieden, na, reite weiter.