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Kyriakos Charalambidis

Gedichte
griechisch / deutsch
Aus dem Griechischen übersetzt von Michaela Prinzinger, Evangelos Konstantinou und Hans Eideneier.
26 Seiten, Broschur – 8 €
hochroth Verlag
Berlin 2010

(Foto: Eleni Papadopoulou)

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Textprobe:

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GESCHICHTE MIT PFERD

So manches Mal da sieht man mich auf einem Pferde reiten
droben am Himmel über Nicosia.
Kommschnell und sieh, so sagtmanmir. Doch ich, ich sehe nicht.

Doch eines Tages wie auch jetzt – merkwürdig – sah ich
das wovon sie sprachen. Und glaub nur nicht,
dass ich dir spräch´ von Pegasus und ähnlichen.
Ein Pferd war´s stark und kräftig,
zwar ohne Flügel, doch mit Zaum
so dick wie Hagel – ich der noch nie
ein Pferd bestieg, ritt im Galopp.

Ich fange an zu grüßen von der Erde aus
mein Selbst vomHimmel hergeschickt – ein solcher Dummkopf
ist nie wieder auf dem Erdenrund geboren.
Denn dieser, der auf einem stolzen Pferd
den Raum bejagte über mir, warf einen Blick
mit wildem Huf, zerstörerisch, ich schrak zurück.

Bis ich mich fasse, zu mir komm´, mein Äußeres
ein wenig richte, meine Seel,
kreist er erneut mich ein, erschreckt zu Tode mich
schwingend den Sack wie eine Knute
worin der Mond, oder die Sonne aufgeblasen.

Aber auch ich nicht achtend auf die anderen
im Jubel mit den Taschentüchern,
den feisten Lämmern und im Schlag der Kastagnetten
hol´ aus dem Sumpf ein Rohr und mach´
wie beim Duell – ´ne Lanze furchterregend
und wie er mir zur Seite kommt, stech´ ich den Sack,
reiß´ runter so sein Pferd.
Wärst du´ neMutter, hättest dies gesehen, gebrochenwär deinHerz,
imWehgesang der Sonne, die zerplatzt
und deinem Heldensohn, der ohne
jenes Pferd die Flucht ergriff.

Doch konnt´ ich fassen ihn noch vor dem König
ohne zu zögern niederstrecken – keiner sollte sagen
sie sähen mich auf meinem Pferde reiten
Droben am Himmel über Nicosia.

September 1987

Kyriakos Charalambidis

Artikelnummer: 1253
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Kyriakos Charalambidis