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Albert Ehrenstein – Todrot

Albert Ehrenstein
Todrot. Eine Auswahl an Gedichten
46 Seiten, Broschur – 8 €
Doppelausgabe im Schuber: Dichter des Expressionismus – 12 €
( Band I: Alfred Lichtenstein – Die Fahrt nach der Irrenanstalt
Band II: Albert Ehrenstein – Todrot)

hochroth Verlag
Berlin 2009

ISBN: 978-3-9812619-3-6

Am 23. Dezember 1886 wurde der Sohn des Brauereikassierers Alexander Ehrenstein und seiner Frau Charlotte, geborene Neuer, im Wiener Arbeiterviertel Ottakring geboren. U.a. besuchte er das Piaristengymnasium in der Josefstadt, an dem er ein Jahr wiederholte und schließlich ausgewiesen wurde. Er studierte Geschichte und Philologie in Wien. Seine ersten Schreibversuche begann er um 1900. Seine erste Gedichtveröffentlichung geschah 1910 in der Fackel. Insbesondere wurde er von Karl Kraus gefördert und erhielt Anerkennung von Hermann Hesse. Kurt Pinthus beschrieb ihn als “Dichter der bittersten Gedichte deutscher Sprache”.
Ehrenstein war stets Pazifist. Ende 1932 siedelte er in die Schweiz über, 1941 in die USA nach New York, wo er in einem Armenhospital am 8. April 1950 starb.

Textproben:

RUHM

Sie besudeln das Firmament,
sie werden statt ihrer Journale
die Sterne bedrucken.
Mich widert der faulige Atem
williger Besprecheriche.
Bittrer Arbeit Abendstirn
spült doch ruckweise der Tod hinab!
Ich bin ja nur ein armes Gurgelwasser
im Rachen der Zeit.

LUST

Kleine Mädchen, heiße Weiber,
Jungfrauen, Bordelle, Angst vor Bazillen,
Ekstasen in Betten, gemeinsames Bad –
Umarmte besang die Brandung des Meeres.
Ich streichelte Fell der Kaninchen
Weiß und weich. Hart war das Jungfleisch.
Ich kenne die Wahrheit des jungen Genies
Und ich kenne die Lügen
Der alten Komödiantin.
Ich weiß, wie die Brüste, die Ohren der Pipi,
Der Arschi, der Hatschi, der Gstanzi
Schmecken und allerlei Endkampf der Lust.
Noch riech ich den Schweiß der Zigeunerin,
Ich erinner mich gern
Der Notdurft einer Wilden.
Stasi erscheint mir, Ekstasi
Und mancherlei Mizzi.
Hoffentlich ärger ich mich nicht im Sterben,
Daß ich bei der Rozena nie schlief.
Aber heut interessiert mich gar nichts
Und ich denke nicht einmal daran,
Dies Gedicht zu beenden.
Höchstens wag ich zu sagen:
Die Menschen schmecken einander –
Kaum ein Zeichen guten Geschmacks.

ABSCHIED

Auch du mußt und weißt nicht:
Wo, wie lang und wann
Im Nebel des undurchsichtigen Schicksals
Blind wandern bis in des Todes Hintern.

Von allen Dingen ist der Glanz gewichen,
Wie sind die Hurenpuppen angestrichen,
O Weib, du armes Schaukelpferd.
Mond, stoß schon ins Abschiedshorn!

Ein Dämon läßt die Winde streichen
Und pinkelt Regen in das Meer.
Der Donnerkater schnurrt absurd –
Wann fährt in mich Erlöser-Blitz?!

Albert Ehrenstein - Todrot

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Albert Ehrenstein – Todrot