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Mayra Santos-Febres

Die Gedichte der puerto-ricanischen Autorin Mayra Santos-Febres handeln von Orten: vom jeweils ganz eigenen gesellschaftlichen, politischen und geistigen Klima verschiedener Karibikinseln und -städte; vom prallen Leben, kolonialen Bauten, Soldaten, Politikern, Marktfrauen, Bürofrauen, Hühnern, Touristinen, die sich entjungfern lassen – und von jeder Menge Eiern.
Sie findet dabei eine so plastische Sprache, so viel Witz und Energie, dass es ihr gelingt, der karibischen Gegenwart in all ihrer Tiefe und Komplexität einen konkreten fühl-, riech-, schmeck- und greifbaren Ausdruck zu verleihen. Nicht ohne Seitenhieb auf die europäische Dominanz eines so genannten postkolonialen Diskurses.
Im Band ebenfalls enthalten ist das Gedicht “In Berlin”, das Eindrücke eines Berlinaufenhaltes der Autorin reflektiert.

Mayra Santos-Febres ist Professorin für Afrikanische und Karibische Literatur sowie Feministische Literaturtheorie an der Universidad de Puerto Rico. Ihr Werk wurde mehrfach ausgezeichnet und ins Englische, aber auch ins Französische und Deutsche übersetzt. Sie hatte bereits mehrere Gastprofessuren inne, unter anderem an der Cornell University und in Harvard.

Ins Deutsche übertragen wurden die Gedichte von Timo Berger. Der Band ist zweisprachig.

Mayra Santos-Febres – Gedichte
Aus dem puerto-ricanischen Spanisch von Timo Berger

Spanisch / Deutsch

30 Seiten, Broschur mit Umschlag – 8 € –
hochroth Verlag

Berlin 2011

ISBN: 978-3-942161-10-7

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Textprobe:

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Santurce, Puerto Rico

Santurce ist ein riesiges Eierbüro, Sí, Señor / Santurce ist / ein riesiges Büro

um drei Uhr in der Früh / gehen Mannfrauen mit ihren kostbaren Körben / auf die Straße / verkaufen ihre abgedeckten Waren

Mannfrauen / auf ihren Absätzen / auf ihren Eiern reitend / riskieren ihr Leben

sie sind tatsächlich tapfer / und ganz Santurce ist ihr Office //

um fünf Uhr nachmittags / staksen Hühner / mit Taschen / Strumpfhosen und Krawatten / aus ihren Ställen und suchen / irgendein Gesöff / eine Gemengelage, die ihr Gedächtnis auffrischt

staksen heraus und stolpern über andere Viecher / ohne Namen, ohne Seele, mit / Karren / und scharren zwischen dem Müll /

Samstagmittag /
treffen erlauchte Händlerinnen der Eierinseln / an den Marktbuden auf ihre Anhänger / treffen sich und palavern mit anderen Einwanderern / die ihnen Häppchen anbieten / und sie um die Frisuren beneiden / und die mitreisenden Kinder …

um halb acht am Morgen / weckt uns der mit Strom betriebene Lautsprecher alle gleichzeitig auf / mich / die ich die Tauben erschrecke / und die Eier des Zuckervogels auf der ganzen Terrasse einsammle / des immensen Büros, das meine Wohnung ist

Saturce ist ein riesiges Büro / mit Blick aufs Meer.

Mayra Santos-Febres

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Mayra Santos-Febres